Einseitige Ertaubung

Wie passt einseitige Ertaubung in das Portfolio von Depressionen, Ängsten und Zwängen, werden Sie sich fragen... Es passt insofern, als dass ich vor drei Jahren selber nach einer schweren Mittelohr- und Hirnhautentzündung auf dem linken Ohr ertaubte und mein Gleichgewicht im Innenohr verlor. 

 

Einseitige Ertaubung bedeutet mehr, als nur die Hälfte nicht mehr zu hören. Auch wenn die Haarzellen im Innenohr bei mir kaputt sind, ist der Hörnerv noch intakt. Das bedeutet, dass ich in einer lauten Umgebung permanent ein Rauschen im linken Ohr „höre“, das von der Lautstärke her stark variiert. Dieses laute Rauschen erschwert es dem gesunden Ohr, Sprache wahrzunehmen und zu verarbeiten. Restaurantbesuche und Menschenmengen, auch Straßenverkehr waren manchmal ein Gräuel und es dauerte eine Weile, bis mir der Einsatz von Oropax im gesunden Ohr einfiel und sofortige Erleichterung brachte. Oropax stoppt den Lärm, lässt aber praktischerweise die Stimmen ganz gut durch – Balsam für das gestresste Ohr!

 

Richtungshören ist ebenfalls nicht mehr möglich. Ich höre ein Geräusch, kann es aber nicht orten. In der Wohnung weiß ich nicht, aus welchem Zimmer es kommt; wenn mich draußen im Freien jemand ruft, muss ich mich um 360 Grad drehen und mit den Augen suchen, wer es gewesen sein könnte. Spannend wird es manchmal, wenn die Sirene eines Polizei- oder Feuerwehrautos ertönt, dann bleibe ich instinktiv stehen und schaue erst einmal, aus welcher Richtung sich das Fahrzeug nähert. Geradezu gefährlich ist es manchmal, wenn mich (verbotenerweise) auf dem Gehweg ein Radfahrer links überholt. Das höre ich leider überhaupt nicht und erschrecke jedes Mal. 

 

Im beruflichen Kontext war es schwierig, wenn mich jemand von links ansprach oder im Restaurant oder Flugzeug neben mir saß... Meist verstand ich es nicht oder musste mehrmals zurückfragen. Häufig ertappte ich mich auch dabei, dass ich einfach nickte oder aufhörte, zu fragen und damit mehr und mehr in meine eigene Welt versank. 

 

Im Krankenhaus hatte man mir von vorne herein ein Cochlear-Implantat empfohlen. Dies hätte eine weitere Operation bedeutet, bei der die kaputten Haarzellen durch eine Elektrode überbrückt werden, die zwischen Hörnerv und Schnecke eingebracht wird. Dadurch hat man im besten Fall wieder ein Sprachverstehen, was aber neu erlernt werden muss, da die Stimmen blechern und nicht natürlich klingen. 

 

Für mich kam eine weitere OP nicht in Frage und ich war erstaunt, wie schnell sich andere Menschen, die ihr Gehör durch einen Hörsturz oder andere Erkrankungen verloren hatten, für ein Cochlear-Implantat entschieden. Dies hatte ich in den relevanten Internet-Foren gelesen und mich auch mit einigen Personen ausgetauscht. Über Alternativen wurde nicht gesprochen und so war ich schon drauf und dran, mich mit der „Einohrigkeit“ abzufinden.

 

Eher zufällig erfuhr ich von der Möglichkeit eines Hörsystems, bei dem am ertaubten Ohr ein Mikrofon installiert wird, das Geräusche und Sprache schnurlos auf das gesunde Ohr überträgt. Eine Sprechstundenhilfe in meiner HNO-Praxis erwähnte es während eines Hörtests. Von den Ärzten hatte niemand je darüber gesprochen. 

 

Nun war ich aber ganz aufgeregt und wollte so ein System sofort ausprobieren. Es gibt zahlreiche Akustiker und meine Krankenkasse war sehr kulant. Sie ermöglichte das monatelange Ausprobieren unterschiedlicher Geräte und Hersteller, bis ich „mein“ System endlich gefunden hatte. 

Alexandra Friedhoff
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